Das Institut für Musik in der Gesellschaft der Kunstuniversität Graz führt seit fünf Jahren in Kooperation mit Grazer Krankenhäusern das Projekt „Musik auf Station" durch. Im Rahmen einer eigens konzipierten Lehrveranstaltung besuchen Studierende gemeinsam mit dem Projektinitiator Mag.art. Stefan Heckel, PhD, unterschiedliche Krankenhausstationen und gestalten dort Live-Musik für Patient*innen. Im Mittelpunkt steht das persönliche musikalische Erleben: Ein vorausgehendes Gespräch, das von Musiktherapeut*innen begleitet wird, bringt Erinnerungen, Wünsche, Bilder und Stimmungen ein, die die Studierenden mit der Methode der personenzentrierten Improvisation in Klangbilder übersetzen. Die Musik entsteht im unmittelbaren Kontakt mit den Patient*innen und bleibt jederzeit offen für Veränderungen, wenn emotionale oder medizinische Situationen dies erfordern.
Über einen Einsatz auf der Palliativstation des Krankenhauses der Elisabethinen Graz im Frühjahr 2026 berichtet Dr.in Anna Sophia Schindelwig, Ärztin am LKH-Univ. Klinikum Graz und Musikvermittlungs-Studierende an der Kunstuniversität Graz.
Erfahrungsbericht
Die Gruppe wird in einem erst wenige Wochen zuvor bezogenen Neubau empfangen. Schindelwig beschreibt die Stimmung auf der Station so: „Es herrscht Ruhe. Niemand wirkt gehetzt, die Stimmung ist freundlich und aufmerksam.“ Die begleitende Mitarbeiterin nimmt sich Zeit, erzählt von den Patient*innen und begegnet den Studierenden auf Augenhöhe. Daraus wird für die Autorin rasch deutlich, worauf es hier ankommt: „Nicht Diagnosen oder Abläufe stehen im Mittelpunkt, sondern die Menschen.“
Zunächst wird im Gang musiziert, damit zuhören kann, wer möchte, ohne das Zimmer zu verlassen. Die Türen der übrigen Zimmer bleiben geschlossen, „die individuellen Bedürfnisse aller werden respektiert“. Auch Mitarbeiter*innen des Pflegeteams bleiben stehen: „Vielleicht ist die Musik auch für sie ein Moment des Innehaltens.“
Bei einem Patienten mit Hirntumor, der kaum noch auf seine Umgebung reagiert, spielt die Gruppe behutsam im Eingangsbereich des Zimmers. Während der Musik zieht er sich die Decke über den Kopf, ein Verhalten, das er laut Pflegepersonal häufiger zeigt. Schindelwig hält fest: „Vielleicht war unsere Musik dennoch ein kleines Geschenk. Niemand weiß, welche Eindrücke ihn noch erreichen oder welche Erinnerungen sie in ihm auslösen.“
Eine Patientin, die schon beim Besuch zuvor Mozart gehört hatte, wünscht sich am Stationsstützpunkt einen Walzer. „Für einige Minuten verwandelt sich der Flur in eine Tanzfläche." Sie wagt ein paar Schritte und sagt anschließend lächelnd: „Ich weiß nicht, wann ich zuletzt getanzt habe.“ Dann erzählt sie vom Maturaball ihres Enkels, „ein kurzer Moment, der weit über die Musik hinausreicht".
Zum Abschluss reflektiert die Gruppe den Nachmittag gemeinsam im Einspielraum. Schindelwig schreibt dazu: „Oft wird einem erst später bewusst, woran man teilhaben durfte.“
Weiterführung des Projekts
2024 gründeten ehemalige Projektmitwirkende und Absolvent*innen der Lehrveranstaltung den Verein MusiCare, der die Arbeit auch außerhalb universitärer Kontexte in öffentlichen und privaten Kranken- und Pflegeeinrichtungen fortführt. 2025 wurde der Verein im Rahmen von Arts for Health Austria als eines von drei herausragenden Projekten ausgezeichnet.
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